Hier ein Bericht über einen Studiobesuch bei Genial-Daneben

(mit freundlicher Genehmigung von Anette Dewitz - die diesen Beitrag verfasst hat! Auf ihrer Homepage gibt's den Bericht unter "So war's" mit Bildern!)

 

Die große Wartehalle der MMC-Studios war wie ein Flughafenfoyer. Überall warteten Zuschauer auf den Beginn von Aufzeichnungen, und die vielen Gesprächsfetzen vermischten sich zu einem lauten, halligen Grundgeräusch. In der Mitte des Raumes befand sich ein großer, runder Thekenbereich, an dem locker 40 Leute Platz genommen hatten, die auf Barhockern saßen und Getränke vor sich stehen hatten. Immer wieder wurden die großen, gläsernen Eingangstüren aufgestoßen und Leute kamen herein oder gingen nach draußen. Wir stellten uns erstmal beim “Ticketing”-Schalter an, um unsere Eintrittskarten zu holen. “Gleich ist Einlass für Kochduell”, rief eine Stimme und ich hätte mich nicht gewundert, wenn auf den vielen Bildschirmen, die ringsherum angebracht waren, Ankunft- und Abflugzeiten von Flugzeugen zu sehen gewesen wären. Es liefen aber nur Musikvideos. Einzig die vielen an der Decke angebrachten Scheinwerfer erinnerten daran, dass wir uns in einem Komplex mit Fernsehstudios befanden.

Nach einiger Wartezeit hallte eine Lautsprecherstimme, dass die Zuschauer für “Genial daneben” gleich in das Studio gehen könnten. Wir begaben uns in die Richtung der passenden Türe, kamen am Originalrad aus “Der Preis ist heiss” vorbei, das uns allerdings nicht so viel sagte, weil wir die Sendung nie gesehen hatten, und konnten nach einer weiteren Wartezeit endlich das Studio betreten. Erstaunlicherweise gab es freie Platzwahl, und wir wählten nette Plätze mit gutem Blick auf das Geschehen. Außerdem so im Randbereich, dass wir wohl kaum von der Kamera erfasst werden würden.

Etwa 250 Zuschauer saßen auf vier Reihen verteilt in einem Dreiviertelkreis um die Aktionsfläche herum. Bevor alles voll war, begannen zwei junge Damen mit dem Umsetzen der Zuschauer. Wir konnten wählen, ob wir uns mittig auf die Treppe oder weiter nach links setzen wollten. Beides war nicht so schön wie unser gewählter Platz, aber wir stimmten den neuen Plätzen links, in der vierten Reihe hinter dem Stuhl des Moderators Hugo Egon Balder zu. Hauptsache nicht immer im direkten Kamerablickfeld. Warum dann nachher andere Leute auf unsere alten Plätze gesetzt wurden, war logisch nicht ganz zu erklären. Dass Leute mit greller Musterung auf den Oberteilen oder extrem modischen Brillengestellen etwas aus dem ständigen Kamerablick gerückt wurden, war noch nachvollziehbar, aber warum man von unauffällig rechts, nach unauffällig links musste, blieb ein Rätsel.

Plötzlich stand Hugo Egon Balder im Studio. “Hallo!”, begrüßte er freundlich und musterte die Zuschauer ringsherum, “Wen kenn ich denn?” Er war lang und schmal und sah wirklich gut aus. Ich war schon Ende der 80er Jahre begeisterte “Alles nichts Oder?”-Guckerin gewesen, als er mit Hella von Sinnen zusammen eine wunderbar witzige Prominentenshow gemacht hatte und muß frei zugeben, dass ich auch das legendäre “Tutti-Frutti” mit Spaß angesehen habe. Die Sendung galt 1990 als eine Art Untergang der Zivilisation, weil als Früchte verkleidete Mädchen ihr Oberteil öffneten und die Brust sehen ließen. Was habe ich mich amüsiert, wenn die Kandidaten mit unbeholfenen Bewegungen ihre Striptease-Nummern brachten und am Ende so schnell wie möglich in den schützenden Bademantel schlüpften. Hugo Egon Balder moderierte die ziemlich hirnlose Sendung und war mir trotzdem immer intelligent, augenzwinkernd distanziert und seriös vorgekommen. Trotzdem hackten die Medien auf ihm herum und schoben ihn in die “Sex-Schmuddel-Ecke”. Zu meiner großen Freude war ihm das ganz egal und er machte einfach weiterhin das, was er wollte. Vorwiegend im Comedybereich und meistens sehr erfolgreich.

Jetzt war er Moderator der Sendung “Genial daneben”, in der fünf Comedians von ihm genannte Begriffe oder Sprichwörter erklären mussten. Dazu war entweder Fachwissen gefragt, oder Kreativität, die sich oft in Alberei und Wortspielerei steigerte. Je nach Laune und Persönlichkeiten konnte es superwitzig werden. Die Fragen wurden von den Zuschauern eingereicht, die 500 Euro gewannen, wenn die Rater nicht auf die richtige Lösung kamen. Viel vom Gelingen der Sendung hing von den Comedians ab. War die Mischung nicht so prickelnd, blieb es ruhiger, in anderen Zusammensetzungen trieben sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Ich hatte keine Ahnung wer bei dieser Aufzeichnung dabei sein würde und war freudig gespannt.

Hugo Egon Balder machte locker den Warmup. Er bat darum, dass alle Zuschauer das “einer Unterhaltungssendung angemessene Gesicht” machen, und bei eventuellen Ohnmachtsanfällen auf jeden Fall lächelnd vom Sitz rutschen sollten. Redend, lachend und sehr nett lief er durch den Raum und die Zuschauer waren bester Stimmung. Dann kamen die Comedians herein und ich freute mich, denn es war wirkl ich eine schöne Besetzung: Hella von Sinnen, Olli Dittrich, Bastian Pastewka, Susanne Pätzold und Bernhard Hoecker. Das versprach Spaß.

Sie setzten sich auf ihre Plätze und sofort ging es mit blöden Bemerkungen los. “Könnt ihr den Stuhl vom Hoecker nicht hochstellen?” fragte Olli Dittrich mit Blick auf den kleineren Kollegen. “Der Hoecker steht doch schon!” gab es als Antwort und alles lachte. Durcheinander plappernd und wie in privater Runde schienen sich die Comedians wohl zu fühlen. Bernhard Hoecker fragte ins Publikum: “Ist jemand aus Bonn hier?” und ein Zuschauer meldete sich: “Ja!” “Woher?” fragte Hoecker interessiert und wollte damit den Stadtteil wissen. “Bonn.” war die Antwort. Als das allgemeine Gelächter sich gelegt hatte stöhnte Balder: “Wo haben wir unsere Zuschauer her?” Hella von Sinnen lobte den kleinen Stehkragen an Balders Hemd, wunderte sich aber auch über die Frisur. “Haben Sie etwas mit Ihren Haaren gemacht, Herr Balder?” “Ich bin beschnitten,” gab dieser zu und wurde von den anderen auf die Ähnlichkleit mit David Copperfield hingewiesen. *grins* Das sage ich ja auch immer; die beiden haben vom Typ her viele Gemeinsamkeiten. Beide sind groß, schlank, dunkel, jüdisch, augenzwinkernd, humorvoll und haben sehr viel Charisma. Dabei weiß ich gar nicht, ob Hugo Eg on Balder jüdisch ist, ist aber auch egal, ob oder ob nicht.

Vor Beginn der Aufzeichnung mussten noch ein paar Jingles gedreht werden, die später vor und nach der Werbepause eingeblendet werden würden. Balder zählte: “Drei, zwei, eins, los!” und die Comedians sprachen plötzlich lächelnd und gestikulierend miteinander, während das Publikum klatschte. Nach dem zweiten Mal sagte Balder nebenher: “So, das war jetzt aus der Werbung RAUS.” und Hella von Sinnen fragte entsetzt: “Raus?? Ich habe gerade REIN gespielt!” Balder: “Dann war das jetzt dramaturgisch völlig am Arsch!” Als letztes  wurde die Einstellung für den Anfang der Sendung gefilmt, Hugo Egon Balder schritt hinter den Ratern entlang und stellte sie dabei namentlich vor. Der Applaus donnerte, und für die Zuschauer waren nur die Lippenbewegungen zu sehen, aber absolut nichts zu verstehen.

Ganz plötzlich schoßen die bis dahin am Rand wartenden Kameras nach vorne und die Aufzeichnung fing an. “Was ist ein Kipptester?” Die Comedians versuchten es in allen Richtungen, über das Testen eines Kipp-Schalters, das Proberauchen von Zigarettenkippen, das Umkippen nach Trunkenheit oder das Herunterkippen eines Getränkes. Mir gefiel, dass die Kameras dabei ziemlich unauffällig blieben und die Rater richtig mit Hugo Egon Balder spielten. Die ganze Szene hätte sich fast in einem Wohnzimmer abspiele n können, und es wirkte familiär und privat. Natürlich wurde ab und zu der Blick in die Kamera oder das Publikum bewußt eingesetzt, aber die kleine Gruppe in der Mitte des Raumes gehörte zusammen und machte ihr eigenes Spiel. Als klar wurde, dass die richtige Antwort nicht zu finden war, löste der Moderator auf und stellte den Kipptester vor. Es war ein Gerät, mit dem man die Standfestigkeit eines Grabsteines überprüfen konnte. “Der wird nicht an mir getestet!” schrie Hella auf und lief auf Strümpfen ins Publikum, wo sie sich mit möglichst unauffälligem Gesichtsausdruck zwischen die Zuschauer setzte. Wurde er aber doch. Sie musste zurück auf ihren Platz, brüllte: Aua!” als sie das Ding in den Rücken gepreßt bekam und klebte sich anschließend den amtlichen Vermerk über Baufälligkeit auf den grellgelben Overall.

“Warum wird bei Raketenstarts von der 10 rückwärts gezählt?” war die nächste Frage. Dass es ein klarer Schlusspunkt ist und beim Vorwärtszählen nicht klar wäre, wann die letzte Zahl erreicht ist, war schnell geklärt, aber Hugo Egon Balder wollte noch mehr wissen. “Wer hat das im Jahr 1926 erfunden?” Die Rater versuchten es mit Wortspielereien: “Einstein” - “Zehnstein” - “Zahnstein!” Bald war klar, dass ein Film von Fritz Lang damit zu tun hatte. Bernhard Hoecker erwies sich als Filmexperte, konnte aber auch nur “Metropolis” angeben. Keine Chance auf eine richtige Erklärung. Die Antwort war der Fritz-Lang-Film “Die Frau im Mond”, bei der erstmals ein Raketenstart gezeigt und dabei stummfilmtechnisch mit Zahlen von 10 bis 0 rückwärts gezählt wurde. Das hatte die NASA dann einfach übernommen.

Sehr schön fand ich es die Comedians zu beobachten. Manchmal wurde rechts am Tisch noch lachend gekalauert, während links konzentrierte Gesichter zu sehen waren. Bernhard Hoecker hatte blöde Bemerkungen drauf, arbeitete aber trotzdem ehrgeizig an der Auflösung. Er beobachtete die Reaktionen von Hugo Egon Balder genau und stieß nach, wenn er glaubte einen richtigen Ansatz gefunden zu haben. Außerdem besaß er auffällig viel Wissen, so dass er bei den anderen schon den Ruf “Der Hoecker weiß es!” weg hatte.

Hella von Sinnen überlegte ebenfalls ernsthaft und schien sehr bestrebt die Lösung zu erarbeiten. Das hinderte sie nicht mit den seltsamsten Erklärungen anzukommen und immer mal wieder ihr seit “Alles nichts Oder?”-Zeiten vertrautes “Herr Balllder!” loszulassen.
Bastian Pastewka und Olli Dittrich kannten sich schon lange und waren seit einiger Zeit wieder zusammen auf Tour. Diese Vertrautheit war schön zu erleben. Manchmal gab es nur ein leise eingeworfenes Wort und der andere guckte grinsend und sofort verstehend rüber. Sie steigerten sich in ihren Wortspielen gegenseitig und hatten eine Menge Spaß. Susanne Pätzold war eigentlich am unauffälligsten, brachte auch gute Bemerkungen, war aber nicht so locker wie die anderen vier.  

Die Frage nach dem “Schleuderstab”, Hugo Egon Balder hatte sieben davon in seiner Wohnung, machte die Rater zunächst völlig ratlos, bis es als Gardinenstäbe zum Zuziehen der Vorhänge erklärt wurde. Daraufhin wunderten sie sich noch mehr über den seltsamen Namen. Beim “roten Faden” kamen Herrn Hoecker seine Seefilmkenntnisse zugute und er wußte, dass ein roter Faden in Schiffstaue geknüpft wurde, um sie wiedererkennen zu können.

Dann kam die Frage, warum ein Berg in den USA, der den Namen “Squaw” enthielt, umgenannt werden mußte. Kein Problem für das Rateteam. Hella wußte, dass der Begriff “Squaw” eigentlich “Hure” heißt, Hoecker ergänzte, dass es die “Vagina” wäre, und Bastian Pastewka hob die Hände, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und platzte bewundernd raus: “Leute, ihr guckt die besseren Filme!”

’Squaw’ war dann korrekt die Bezeichnung für ‘Schlampe’, und Bernhard Hoecker grübelte, wie man demnächst zur Sportart ‘Squash’ sagen müsse.

Die Publikumsfrage eines Zuschauers wurde gelöst, der Zuschauer musste ohne 500 Euro nach Hause gehen, aber es ging um die Länge von Ohrenhaaren, und darüber hatte sogar ICH kurz davor mal in einer Zeitung gelesen. “Warum rauscht das Meer?” war eine weitere Frage, die Hoecker, unterstützt von Pastewka, der immer wieder verblüfend echte, gluckernde Geräusche machte, mit seinem Wissen fast richtig erklären konnte. Die letzten Einzelheiten erzählte dann der Moderator, und als Zuschauer konnte ich richtig was lernen. Im Übrigen war Hugo Egon Balder wirklich klasse. Er leitete die Raterei sehr umsichtig und ruhig, gab Tipps, wenn es gar nicht weiterging, hörte aufmerksam zu und lachte vergnügt los, wenn es ganz quer kam. Manchmal nickte er während einer Erklärung freundlich und sagte am Schluß: “Ja, sehr schön. Alles falsch!” Plötzlich bemerkte er: “Was bleibt noch zu sagen?”, Hella sagte in die Kamera: “Schönen Sonntag!” und die Aufzeichnung war beendet. Es gab ein gemeinsames Foto, zu dem sich die Rater mit dem Moderator zusammenstellten, dann winkte Balder zu den Zuschauern: “Vielen Dank, bis gleich!” und es war Pause.

Wir gingen aus dem Studio, durch das Foyer und nach draußen an die frische Luft. Sauerstofftanken. Innen war die Luft wirklich drückend und verbraucht gewesen. Ich war gut gelaunt, denn die Sendung hatte Spaß gemacht und manchmal hatte ich wirklich vergessen, dass es für das Fernsehen aufgezeichnet wurde. Es gab viel echtes Gelächter, vergnügte Gesichter und Spaß auf beiden Seiten. Schön!

Nach 20 Minuten ging es weiter. Zunächst brauchten wir einen neuen Platz, damit später nicht sofort zu erkennen war, dass es zwei Aufzeichnungen an einem Tag gab. Die Publikums-Umsetzerinnen wollten uns in den Block hinter den Comedians setzen. Ich diskutierte etwas rum, weil ich keine Lust hatte ständig im Bild zu sein, dann durften wir zumindestens in die letzte Reihe des Blocks. Wir gingen die Treppe hoch und dann unauffällig die letzte Reihe entlang weiter und weiter nach links, bis wir schließlich ganz am Ende angekommen waren und uns einfach dort hinsetzten. Weit weg vom Kamerablick und ganz am Rand. Hoffentlich merkte es keiner und würde uns umsetzen wollen! Es gab doch genug Leute, die in den mittleren Block wollten, um später ihr Gesicht im Hintergrund neben einem der Comedians im Fernsehen zu sehen! “Wenn ich hinter denen sitze, sehe ich doch gar nichts!” hörte ich eine Frau maulen, aber ihr Partner wies sie zurecht: “Die kannste später im Fernsehen alle von vorne angucken!”

Hugo Egon Balder kam wieder ins Studio, wanderte herum und unterhielt sich. Ich fand, er strahlte große Freundlichkeit aus, gleichzeitig aber auch einen festen eigenen Willen, der ihn seine Sachen unbeirrt durchziehen ließ. Solche Leute können es sich leisten auf der einen Seite “Tutti-Frutti” zu moderieren, auf der anderen Seite erfolgreiche Produzenten zu sein. “Wir machen das Gleiche wie eben, nur mit anderen Fragen”, wandte er sich schließlich an das Publikum. “Jetzt wird’s genauso intelligent wie eben”, und ich erfuhr verwundert, dass sich die Zusammensetzung des Rateteams geändert hatte. Hella von Sinnen und Bernhard Hoecker waren noch dabei, diesmal ergänzt durch Herbert Feuerstein, Georg Uecker und Guido Cantz. Hella hatte den knallgelben Overall gegen einen pinkfarbenen getauscht, und im Zuschauerbereich saß vorne auf der Treppe eine Frau mit penetranter Lache. Sie fiel sofort auf, weil sie laut und kollernd, Typ “lustige Nudel”, losbrach, sobald etwas Witziges gesagt wurde oder ein Comedian in ihre Richtung blickte. “Was ist denn das für eine Lache?” fragte Hoecker und sie kollerte vergnügt los. “Ich weiß nicht, was sie bekommen hat, aber ich möchte Dasselbe!” witzelte Georg Uecker zu ihrem großen Vergnügen. Dabei merkte sie gar nicht, dass es unglaublich störend und gar nicht so gerne gesehen war, dass sie so laut zu hören war. Guido Cantz sollte als Tonprobe vor der Aufzeichnung einen Witz erzählen und zierte sich zunächst. Hoecker: “Ach bitte, die quietscht auch nochmal für dich!” Die penetrante Lache gackerte los und Hoecker kommentierte zufrieden: “Siehste!”

Die neuen Jingles mussten mit der geänderten Besetzung gedreht werden, und ehe es losging beeilte sich Hoecker dem neben ihm sitzenden Uecker einen Vorschlag zu machen: “Ich mach dir ein Tier vor und du mußt es raten!”  Uecker antwortete: “Ich mach dir auch eins vor: Sackratte.” In das Gelächter hinein zählte Balder vor und Hoecker zeigte eine Art Pinguin. Keine Ahnung wie die Auflösung war, aber es war witzig anzusehen. Nach den Jingles ging es an das Anfangsbild mit der Vorstellung des Rateteams. Georg Uecker, der permanent auf seine Homosexualität anspielte, schlug vor: “Hugo, soll ich dich mal ganz erotisch angucken, wenn du vorbeikommst?”, wurde aber durch das gespielt uninteressierte “Och” von Balder davon abgebracht.

Es ging los, die erste Frage war nach dem Grund für Löwen bei einem Fußballspiel auf Schalke, und die Frau auf der Treppe lachte zu laut. Zu meiner Freude wurde sie von den Comedians weitgehend ignoriert, auch wenn die schon mal stocken mussten, wenn das Gekoller plötzlich loslegte. Hella von Sinnen war viel ruhiger als in der vorherigen Aufzeichnung und wirkte manchmal fast gereizt. Die Freude über die Frau mit dem penetranten Lachen schien sich bei ihr in Grenzen zu halten, dabei hatten wir vorher zufällig mitbekommen, wie die Frau erzählte, dass sie Kontakt mit Hella habe und sich mit ihr bei dieser Sendung treffen wolle. Vielleicht interpretiere ich das alles auch komplett falsch, die Frau war eine von Hellas besten Freundinnen und Hella war ganz zufällig so ruhig, aber ich konnte mir einfach vorstellen, dass es ein nerviger Fan war und wie gestört man sich durch so ein rücksichtsloses Lachen fühlen musste.

Herbert Feuerstein, dessen Humor ich sonst sehr mag, war zu ruhig. Ich glaube, er braucht ein bißchen mehr Zeit zum Formulieren und Ordnen seiner schrägen Ideen, und bei “Genial daneben” war Spontanität und blitzschnelle Reaktion gefragt. Guido Cantz war dagegen schnell, aber oft platt. Ein knalliger Witz, aber nicht das Verlangen einer ernsthaften Erklärung auf die Spur zu kommen. Georg Uecker nervte mich etwas mit seinen zotigen Anspielungen. Ich habe kein Problem mit Schwulen und mit Sexualität, aber ich finde es ätzend, wenn jemand ständig über Sex reden muß und von jedem Thema darauf zurückkommen kann. Die Frage “Was ist ein flacher Schwede?” forderte natürlich Anspielungen heraus und Uecker brachte auch sofort als Schlagwörter “Kamasutra” und “Viagra”. Da das Team aber keine logische Erklärung fand, löste Balder den “flachen Schweden” als Akrobatikfigur beim Rock’n Roll auf, und Hoecker und Uecker machten ihn nach Anleitung vor. Das war dann wieder total witzig, denn der kleine Hoecker sprang dabei auf den gebeugten Rücken von Uecker und hing später quer über ihm mit dem Kopf nach unten. Eigentlich hätte er dann zwischen den Beinen seines Partners hindurchgreifen müssen, kam aber mit den Fingerspitzen nur genau in den Schritt, so dass die Figur lachend abgebrochen werden musste. Auch die Leute hinter den Kameras und am Ton lachten hochvergnügt mit, weil es sehr abgedreht komisch war.

Bei der Frage warum es bei Starts und Landungen im Flugzeug dunkel ist, riefen Feuerstein und Uecker sofort eifrig: “Ich weiß es!!”, woraufhin Vielwisser Hoecker die Augenbrauen hochzog und sehr ruhig sagte: “Ich weiß es auch, aber ich mache da nicht so ‘ne Show draus!”

“Was ist ein Brüllsack?” fragte Hugo Egon Balder, und die Blicke von vier Comedians wanderten sofort zu Hella von Sinnen, die daraufhin empört guckte. Das Publikum brach in lautes Gelächter aus. Nach einiger Raterei und gezielten Tipps vom undurchschaubaren Moderator stellten die Rater als Zwischenstand fest: “Das ist ein Tier, das bei der Brunft oder Balz laut ist.” Balder ergänzte: “Das sind nicht nur Tiere”, und Hoecker bestätigte: “Auch Pflanzen!” Die 500 Euro schienen schon fast auf dem Weg zum Einsender der Frage zu sein, da traf sich das Team zu einer Lagebesprechung, flüsterte miteinander und rief dann: “Wir wollen lösen!” Alles lachte, denn es war ganz unwahrscheinlich, dass sie das richtige Tier treffen würden. Gemeinsam im Chor riefen die Rater laut: “KA-MEL!” und Balder platzte überrascht raus: “Richtig!!” Das Gejubel war groß.

Der Zuschauer im Publikum gewann mit der Frage nach dem “Spaltschlüpfer” seine 500 Euro, weil die Lösung nicht komplett gefunden wurde. Hella von Sinnen hatte ihren Herrn Balder schon angemotzt: “Sie haben diese Frage nur ausgesucht, weil Sie Tutti-Frutti-Antworten haben wollen!”, und Georg Uecker rief: “Was guckst du MICH so an? Ich war schon lange nicht mehr in ‘ner Spalte!” Cantz überlegte: “Wenn du dich besoffen hast, brauchst du morgens ‘ne Spalt und meistens liegt ein Schlüpfer daneben”, und Uecker meldete sich eifrig: “Also ich will das gleich mit dem Hoecker darstellen!”

Der Moderator hatte seine Truppe gut im Griff. Es war an seiner Mimik wirklich nicht zu erkennen, ob die Rater nahe an der Lösung waren, oder völlig entfernt herumtappten. “Das ist ein guter Gedanke, der uns ganz weit weg führt”, sagte Balder, nachdem er vorher lange interessiert und mit Pokerface zugehört hatte.

Trotz einiger stimmungsmäßiger Highlights war die zweite Aufzeichnung nicht mehr ganz so mitreißend wie die erste, was aber auch an der Müdigkeit lag, die nach dieser langen Zeit im sauerstoffarmen Studio langsam eintrat. Hella von Sinnen war gegen Ende wieder lockerer und intensiver dabei, aber das Team Dittrich/Pastewka hatte vorher durch die Wortspiele viel Stimmung gebracht, die ich jetzt vermisste. Ich freute mich darum, als Hugo Egon Balder den Schluß einleitete: “Ihr habt viel gewußt, ich bin beeindruckt”, das Schlußfoto gemacht wurde und die Zuschauer sich von den Plätzen erheben konnten. Mitten in den Besuchern bewegten sich auch die Rater nach draußen, gaben ein paar Autogramme und verschwanden dabei fast unauffällig in der Menge. Vor der Studiotüre gingen die Darsteller nach rechts in den Backstagebereich ab, die Zuschauer wanderten nach links und verteilten sich dann in alle Richtungen. Ich verteilte mich in mein Auto.

Aufzeichnung 1, Sendung vom 2.8.2003
Hugo Egon Balder
Hella von Sinnen
Olli Dittrich
Bastian Pastewka
Susanne Pätzold
Bernhard Hoecker

Aufzeichnung 2:
Hugo Egon Balder
Hella von Sinnen
Guido Cantz
Herbert Feuerstein
Georg Uecker
Bernhard Hoecker

Es hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht und als Zuschauer hatte ich einen vergnüglichen Abend im Studio.
Karten gibt es beim Ticket-Service: 02233-96364-0

 

Copyright Anette Dewitz

 

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